Die Kunst des Wartens
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Die Kunst des Wartens

Woran denken Sie bei dem Wort "warten"? An Vorfreude? An den nächsten Urlaub? An ein Dinner mit Ihrem Liebsten? Oder an einen Stau auf der Autobahn oder die lange Schlange vor der Kasse im Supermarkt? 

Warten kann großartig sein - wenn es mit Sehnsucht und Spannung zu tun hat.

Die meisten Menschen verbinden das Warten aber eher mit Stress und Ärger. Besonders dann, wenn scheinbar kein Ende absehbar ist, wie etwa im Stau oder an der Schlange vor der Kasse. Weil wir keine Kontrolle über den Ablauf haben, geht uns das Warten auf die Nerven. Wir empfinden es als pure Verschwendung unserer kostbaren Zeit. Es ist eine Frechheit, irgendjemand hat uns ausgebremst! Wo uns die Minuten, Stunden und Tage doch sowieso schon wie Sand durch die Finger rinnen.

Wenn wir ungewollt darauf warten müssen, dass unser Leben zügig weitergeht, geraten wir oft in einen emotionalen Ausnahmezustand, der logisch betrachtet völlig übertrieben ist. Auf eine harmlose – weil nicht lebensbedrohliche – Situation reagieren wir mit Ärger oder Wut. Sogar sonst sanftmütige Menschen spüren dann die Vorboten des Jähzorns in sich.

Warum fühlen wir uns diesem Umstand so ausgeliefert? Weil wir kaum noch entspannt mit der verfügbaren Zeit umgehen können. Wer zum Warten gezwungen wird hat das Gefühl einen Teil seiner Lebensqualität einzubüßen. Denn wir haben entweder Freizeit, die zum Luxusgut geworden ist oder kostbare Arbeitszeit  die uns wiederum den Luxus der Freizeit finanziert.

Hinzu kommt, dass wir oft versuchen den Ablauf der Zeit zu manipulieren. Wir schreiben täglich To-Do-Listen, die nicht zu schaffen sind und versuchen heimlich aus einer Stunde zwei zu machen. Aber die Natur lässt sich nicht austricksen. Eine Stunde hat 60 Minuten. Punkt. Keine Liste der Welt wird daran etwas ändern. Unsere Zeitrechnung kann einfach nicht mehr aufgehen. Unrealistische Planungen und hektisches Arbeiten lässt uns ständig auf eine Zukunft hoffen, in der alles geschafft und erledigt ist.

Und mitten in dieser verrückten Zeitrechnung bremst uns das Universum einfach aus und wir stehen da. Und warten. Auf bessere Zeiten. Auf das Ende des Staus. Auf eine Kassiererin, die schneller scannt als eine Maschine. Auf ein Vorankommen.

Und jetzt? Ausrasten oder ausharren? Wie wäre es damit: Anhalten! Sich darüber Gedanken machen, dass die eigene Zeitrechnung einen Fehler aufweist. Erkennen, dass man einen Terminkalender nicht rechts überholen kann.

Und das unerwartete Warten als Übung für Geduld und Gelassenheit ansehen. Wenn es die Situation erlaubt (also nicht im Auto) ist ein erzwungenes Innehalten eine herrliche Möglichkeit einem Tagtraum zu folgen. Oder für ein Mudra. Oder auch für ein paar Minuten Achtsamkeit. In jedem Fall werden Sie sich irgendwann darüber bewusst: Zeit ist tatsächlich relativ. Und Warten kann manchmal sogar ein Geschenk sein.

Foto: HamsterMan/Shutterstock.com

©LaMagonda, 2015

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